Mechanische Armbanduhren

Mechanische Uhr

Alle tragbaren mechanischen Armbanduhren brauchen zum “Leben” die Federkraft. Jedes mechanische Uhrwerk, wie seit Jahrzehnten nach gleichem Konzept, jedoch in vielfachen Varianten in Armbanduhren und Taschenuhren verbaut, will bis zum Ende aufgezogen sein, um die Kraft für mindestens 36 Stunden – bei einigen Sonder-Konstruktionen auch für mehrere Tage – zu speichern.

Eine Automatik-Armbanduhr nutzt die Bewegungsenergie des menschlichen Armes. Ein Rotor mit exzentrischem Schwerpunkt bewegt sich bei jeder Lage-Veränderung, ein Räderwerk wandelt die entstehende Kraft in Aufzug-Energie um. Nach Vollaufzug – etwa nach 2-3 Stunden – ergibt sich die erforderliche Gangreserve, also etwa 36 Stunden. Beim Anlegen einer Uhr mit entspannter Feder (“abgelaufen”), empfiehlt sich, über die Krone mit ein paar Umgängen Kraft auf die Feder zu geben, denn üblicherweise lassen sich diese Uhren auch ” von Hand” aufziehen. Ein Überspannen wird durch die Schleppfeder (“Rutschkupplung”) verhindert.

Die Praxis vieler Jahre zeigt, dass die Bewegung bei ruhiger Lebensweise oder auch die Tätigkeit mit Computermaus oder Ähnlichem nicht immer reicht, um über die Federkraft die nötige Schwingungsweite der Unruh zu erreichen. Diese ist erforderlich, um die Gangtoleranz von etwa 1 Minute in der Woche, also etwa 10 Sekunden am Tag, einzuhalten. Bei gleichmäßigen Werten ist eine Feinstellung möglich: Chronometer Werte liegen bei einem Mittelwert von +6 bis -4 Sekunden. Der ständige Achsdruck im Räderwerk erfordert regelmäßige Wartung. Bei einer Schlagzahl von 28 800/h, wie wir sie heute oft bei bewährten, ausgereiften Konstruktionen antreffen, haben wir ein Verhältnis von 1: 5760 Umdrehungen vom Federhaus zum Anker Rad. Um dies technisch zu beherrschen, sind spezielle Öle und Fette erforderlich.

Hieraus ergeben sich erfahrungsgemäß Wartungsintervalle von etwa 5 Jahren. Längere Laufzeiten führen zu unerwünschtem Verschleiß. In solchen Fällen steht an: Nacharbeiten / Ersetzen von Lagern und Polieren von eingelaufenen Zapfen. Wenn die Abnutzung zur stark ist, aus Erfahrung erkennen wir dies, sind Tauschteile nötig. Ein ungenauer Gang,  mal vor, mal nach, bis in den Minutenbereich – ist ein deutliches Zeichen für eine anstehende Überholung. In diesem Fall gilt: auch besondere Aufmerksamkeit den Dichtungen widmen, denn hier haben wir Alterung, u.a. durch starke Sonneneinstrahlung, Lösungsmitte etc.

Hier können Sie nachlesen, welche Arbeiten bei einer fachgerechten Überholung Ihrer mechanischen Armbanduhr  durchgeführt werden!

Gerhard Wilde, Uhrmachermeister
Fa. Böttcher, Goslar

Tags: ,

Hinterlasse eine Antwort